
von Roland Hagelstein und Volker Klinges
Auch in Ostbelgien ist die konjunkturelle Bilanz des Jahres 2009 ernüchternd. Viele ostbelgische Betriebe haben im Jahr 2009 unter der schwachen Konjunktur infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten. Diese Einschätzung kann aufgrund der Auswertung der Konjunkturumfrage für das Jahr 2009-2010, an der sich knapp 170 privatwirtschaftliche Unternehmen mit 6.000 Beschäftigten beteiligten, geschlussfolgert werden.
Für 2010 rechnen die Unternehmen mit keiner wesentlichen Verbesserung des Konjunkturklimas.
Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2009-2010 der Industrie- und Handelskammer Eupen-Malmedy-St.Vith
von Roland Hagelstein und Volker Klinges

Getrübte Stimmung in vielen Betrieben in 2009
Auch in Ostbelgien ist die konjunkturelle Bilanz des Jahres 2009 ernüchternd. Viele ostbelgische Betriebe haben im Jahr 2009 unter der schwachen Konjunktur infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten. Diese Einschätzung kann aufgrund der Auswertung der Konjunkturumfrage für das Jahr 2009-2010, an der sich knapp 170 privatwirtschaftliche Unternehmen mit 6.000 Beschäftigten beteiligten, geschlussfolgert werden. 63 % der Unternehmen, die sich an der Konjunkturumfrage beteiligt haben, bezeichneten den Geschäftsverlauf des gesamten Jahres 2009 als "gut bis zufriedenstellend". Diese Kennzahl fiel damit auf den tiefsten Stand seit Einführung der Umfrage im Jahr 1995. Zu einer ausreichenden bis schlechten Bewertung der Geschäftslage kommen folglich 37 % der befragten Unternehmen. Unter Berücksichtigung der Firmengröße aufgrund der Personalstärke ergibt sich ein deutlich negativeres Bild dieser Bewertung da nur noch 45 % der Unternehmen den Verlauf ihrer Geschäftslage für das abgeschlossene Jahr 2009 als "gut bis zufriedenstellend" einschätzen, dagegen 55 % das Jahr 2009 mit „ausreichend bis schlecht“ bewerten.
Bedeutender Abwärtstrend gegenüber 2008
Im Vergleich zu 2008 sind die dunklen Schatten in der ostbelgischen Wirtschaft in 2009 länger geworden. Alle Sektoren informierten über eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage gegenüber dem Jahr 2008, das bereits ab dem 2. Halbjahr durch rückläufige Tendenzen gekennzeichnet war. Über 80 % der befragten Unternehmen sprachen von einer unveränderten oder schlechteren Lage 2009 gegenüber dem Vorjahr. Jedes zweite Unternehmen wies auf eine negative Geschäftsentwicklung 2009 im Vergleich zu 2008 hin. Unter Berücksichtigung der Firmengröße vermeldeten sogar 64 % der Unternehmen eine schlechtere Geschäftslage 2009 gegenüber 2008 und nur 9 % der antwortenden Firmen haben das Jahr 2009 besser abgeschlossen.
Aussichten für 2010 noch verhalten
Für 2010 rechnen die Unternehmen mit keiner wesentlichen Verbesserung des Konjunkturklimas. Zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen keine steigende Entwicklung ihrer Geschäfte voraus und 33 % erwarten eine konjunkturelle Aufhellung für 2010. Der Saldo aus verbesserten und verschlechterten Erwartungen liegt insgesamt bei nur + 22 %. Trotz international steigender Konjunkturerwartungen ist es jedoch zu früh, von einem neuen Aufschwung in 2010 zu sprechen, da die aktuelle Krise zu tiefgreifend war.

Lage der Industrie in 2009 war schlecht
70 % des produzierenden Gewerbes sprachen von einem Geschäftsverlauf im Jahr 2009, der nicht die Note “gut” verdient. Die ungünstige Wirtschaftslage 2009 ist auf eine allgemeine Verschlechterung der Auftragslage aus dem In- und Ausland zurückzuführen. 56 % der Unternehmen informierten über fallende Auslandsaufträge gegenüber rund 13 % mit steigenden Aufträgen aus dem Ausland. Die Auftragseingänge aus dem Inland wirkten nicht stabilisierend auf die schwächende Exporttätigkeit. 18 % der befragten Betriebe sprachen von steigenden Inlandsaufträgen im Vergleich zu 56 % der Betriebe, deren Auftragseingänge aus dem Inland fallend waren. Aus diesem Grund informierten nur 7 % von einer 100 %-Auslastung ihrer Produktionskapazitäten im abgelaufenen Geschäftsjahr. Teilweise wurden die Aufträge durch bestehende Lagerbestände abgedeckt, da in 2009 per Saldo mehr der befragten Betriebe auf verhältnismäßig kleine Lagerbestände verwiesen. Im Jahr 2009 ist ein wachsender Druck auf die Ertragssituation festzuhalten. Knapp 60 % der Firmen informierten über verschlechterte Ertragslage während nur 15 % ihrer Ertragslage verbessern konnten. Diese Verschlechterung ist einerseits auf eine sinkende Auftragslage, andererseits aber auf einen erhöhten Preisdruck zurückzuführen. Den steigenden Kosten konnten nur rund 20 % durch Anhebung der Verkaufspreise entgegenwirken. 80 % der Unternehmen meldeten stabile oder fallende Verkaufspreise. Die beschriebene schwierige Wirtschaftslage erklärt die schwache Investitionstätigkeit im Jahr 2009. 27 % der Firmen erhöhten in 2009 den Investitionsumfang, während 42 % diesen verringerten bzw. keinerlei Investitionen durchführten. Die Industriebetriebe bleiben vorsichtig bei ihren Investitionsaktivitäten. Der erwartete Investitionssaldo in 2010 wird nur mit + 8 % leicht positiv sein. Positiv stimmt jedoch die Tatsache, dass insbesondere die größeren Unternehmen von einer steigenden Investitionsneigung berichten, sodass sich das Investitionsvolumen in 2010 insgesamt verbessern sollte. Deutlich spürt der Arbeitsmarkt die Krise. 2009 wurden in 14 % der teilnehmenden Industriebetriebe der Mitarbeiterstab erhöht, in 35 % fand eine Verringerung des Personals statt. Für 2010 bleiben die Personalplanungen weiter rückläufig : 12 % der Befragten planen in 2010, ihr Personal zu erhöhen. Gleichzeitig gehen 15 % von einem Rückgang der Mitarbeiterzahl aus. Das konjunkturelle Sorgenkind bleibt die Industrie und das verarbeitende Gewerbe. Trotz positivem Saldo der Geschäftserwartungen von 19 % für 2010 ist keine durchgreifende Trendwende zu beobachten. Der Saldo zwischen Optimisten und Pessimisten, unter Berücksichtigung der Firmengröße, liegt weiterhin im Negativen, da die benötigte Perspektive und Sicherheit für ein nahendes Ende der Krise fehlt.
Handel stabil auf gutem NiveauDie Grundstimmung im Handel kann 2009 überwiegend als positiv bewertet werden. Knapp 70 % des Handels erteilt seiner Geschäftslage die Note "gut bis zufriedenstellend" und nur 12 % melden eine schlechte Geschäftssituation in 2009. Der Einzelhandel, unter Berücksichtigung der Firmengröße, bewertet seine Geschäfte in 2009 sogar noch besser, da 80 % die Lage mit “gut” und nur 1 % mit “schlecht” benoten. Im Vergleich zu 2008 hat das Jahr 2009 für den Handel rückläufige Tendenzen gebracht, da nur 24 % des Handels von einem besseren Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr spricht. 59 % haben dagegen das Jahr 2009 schlechter als 2008 beurteilt. Drei Viertel der Händler sprachen von einem "zurückhaltenden Kaufverhalten der Kundschaft". 26 % der Händler meldeten steigende Umsätze im Jahr 2009 gegenüber 56 %, die Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Jedes zweite Handelsunternehmen informiert über eine schlechtere Ertragslage und nur 24 % konnte ihre Erträge in 2009 erhöhen. Um dieser Situation entgegenzuwirken, werden 20 % der antwortenden Händler in 2010 ihre Preise anheben und nur 3 % versuchen durch fallende Verkaufspreise das Kaufverhalten der Kundschaft positiv zu beeinflussen. Die Investitionstätigkeit im Handel ist in 2009 vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage nur zurückhaltend ausgefallen, dies gilt ebenfalls für die Investitionsneigung in 2010, die sich jedoch leicht verbessert darstellt. Da überrascht es schon, dass die Unternehmen im Jahr 2009 per Saldo zusätzlich Personal eingestellt haben und für 2010 planen, die Beschäftigung stabil zu halten. Die Erwartungen im Handel bleiben insgesamt für das Jahr 2010 gut. 30 % sehen einer verbesserten Konjunktur entgegen, während nur 9 % mit einer fallenden Geschäftslage rechnen.
Dienstleister positiv aber differenziert
Im Dienstleistungssektor waren die Unternehmen insgesamt mit dem Geschäftsverlauf in 2009 zufrieden. 30 % der Unternehmen gaben ihrer wirtschaftlichen Lage 2009 ein "gut" und weitere 41 % ein "befriedigend". 15 % bewerteten die Geschäftssituation mit "schlecht". Die Geschäftslage ist im Vergleich zu 2008 jedoch schwächer zu bewerten, da die Zahl der Unzufriedenen von rund 21 % in 2008 auf 39 % in 2009 angestiegen ist. Insbesondere im Transportwesen, im Zeitarbeitssektor und bei den, von der hiesigen Industrie abhängigen beschützenden Werkstätten ist eine stark unterdurchschnittliche Entwicklung zu vermelden. Andere Bereiche, wie z.B. der Finanz- und Versicherungssektor sowie die Steuerberatungsdienstleister bezeichneten ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut. Die Entwicklung der Ertragslage ist per Saldo negativ. Vier von zehn Dienstleistern informierten über gesunkene Umsätze. Diese schwierigere Entwicklung spiegelte sich nur noch bei 20 % dieser Firmen in einer Steigerung der Investitionen und 80 % mit unveränderten oder reduzierten Investitionen wider. Die oben zitierten Problemsektoren haben ihren Personalbestand im Laufe des Jahres 2009 reduziert und die negativen Geschäftsaussichten wirken sich auf die Personalplanungen aus. Nur wenige dieser Dienstleister gehen von einem Anstieg der Mitarbeiterzahl aus. 18 % der Dienstleister mit guter Geschäftslage führten eine Personalerhöhung durch und weitere 82 % hielten ihren Personalbestand stabil. Ihre Personalplanungen sind positiv, da jedes vierte dieser Unternehmen plant, ihr Personal zu erweitern. 41 % der Dienstleister erwarten für ihre Unternehmen in 2010 eine verbesserte Geschäftslage und 48 % eine unveränderte Situation. Nur noch 11 % planen jedoch eine eher ungünstigere Geschäftsentwicklung für 2010 ein.
Bauwirtschaft hat wenig Grund zur Klage92 % der im Baufach tätigen Unternehmen, die sich an der Konjunkturumfrage beteiligt haben, beurteilen ihre Geschäftslage im Jahr 2009 mit "gut bis befriedigend". Eine schlechte Bewertung ihrer Aktivitäten geben 0 % der Baubetriebe ab. Die Branche bewertet die Geschäftslage 2009 etwas niedriger als im Vorjahr. Für 42 % der befragten Unternehmen wurde das Jahr 2009 auf einem gleichen Niveau wie 2008 abgeschlossen. 25 % vermelden eine bessere Betriebslage gegenüber dem abgelaufenen Jahr 2008, 33 % sprachen dagegen von einer Verschlechterung. Die allgemein als zufriedenstellend bewertete Geschäftslage der Unternehmen spiegelt sich in einer noch günstigen Auslastung der Maschinen wider. 92 % der Unternehmen sprechen von einer Auslastung von mindestens 75 %, 17 % sogar von Vollauslastung. 17 % der Betriebe weisen auf eine verbesserte Ertragslage hin, 58 % verweisen auf eine unveränderte Ertragslage aber 25 % sahen ihre Ertragslage verschlechtert. Die Baubetriebe verweisen darauf, dass die Aufträge von Privatkunden (Haushalte, Betriebe) nachgelassen haben, aber durch eine gesteigerte Auftragssituation der öffentlichen Hand kompensiert werden konnte. Hier spielt die öffentliche Hand ihre wichtige Rolle als Konjunkturmotor in Krisenzeiten. Bei den Bauunternehmen zeigt sich die Beschäftigungssituation unverändert. 50 % veränderten den Personalbestand nicht, 25 % der befragten Baubetriebe erhöhten und 25 % reduzierten ihr Personal im abgelaufenen Jahr. Die Investitionsdynamik im Bausektor entwickelte sich weiter steigend. 42 % der Unternehmen der Bauwirtschaft erhöhten in 2009 ihre Investitionen. Investitionen in Ersatzbedarf, Maßnahmen mit Rationalisierungswirkung und Kapazitätserweiterungen hielten sich dabei die Waage. 42 % der befragten Unternehmen investierten in einem gleichen Verhältnis wie in 2008, nur 16 % reduzierten dagegen ihre Investitionstätigkeit. Die Geschäftsaussichten für das Jahr 2010 bleiben unverändert hoch. 8 % erhoffen sich eine bessere Situation, 84 % gehen von einer gleichbleibenden Situation aus und 8 % befürchten eine Eintrübung ihrer Geschäftslage in 2010. Zwei Drittel der Betriebe berichten über einen Auftragsbestand für 2010 von bis zu 6 Monaten. 33 % informieren über eine Auftragslage von mindestens 3 Monaten. Überraschend ist daher, dass sich die Bauunternehmen im Hinblick auf die Beschäftigungs- als auch auf die Investitionsplanungen für 2010 zurückhaltender äußern. Der Saldo bei der Investitionsneigung ist negativ während der der Beschäftigungsentwicklung sich nur leicht positiv gestaltet. Hier bleibt natürlich abzuwarten, wie das derzeitige Winterwetter sich nicht doch negativer auf die guten Prognosen des Sektors auswirken wird.
Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigung
Die Arbeitslosenrate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft belief sich Dezember 2009 auf 8,4 % gegenüber 6,6 % im Juni 2008 (kurz vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise). Unter Berücksichtigung einer seit April 2009 veränderten Berechnungsweise, die die aktuelle Rate statistisch um 0,3-0,4 %-Punkten anhebt, lässt u.a. die aktuelle Wirtschaftskrise die Rate folglich um maximal 1,5 %-Punkte ansteigen. Da das Jahr 2009 durch die schwerste Rezession seit 1945 gekennzeichnet war, bleibt der Anstieg der Arbeitslosigkeit somit in einem überschaubaren Maße. Eine wesentliche Begründung hierfür ist die verstärkte Inanspruchnahme der Kurzarbeitsregelungen. Jedes vierte Unternehmen hat seine Arbeiter und jedes zehnte seine Angestellten in Kurzarbeit geschickt. Vor dem Hintergrund des akuten Facharbeitermangels und angesichts des nächsten Aufschwungs haben nur 17 % der teilnehmenden Firmen ihr Stammpersonal reduziert während 32 % als erste Maßnahme ihre Interim-Beschäftigung verringert haben. Insbesondere in den produzierenden Unternehmen sind die Auswirkungen auf die Beschäftigung spürbar gewesen, wie dies die beigefügte Grafik dokumentiert. Für 2010 ist nicht damit zu rechnen, dass es zu einer Erholung auf dem Arbeitsmarkt kommen wird, dafür fällt das durch das föderale Planbüro prognostizierte Wirtschaftswachstum in Belgien von 1,4 % zu gering aus.
(Anmerkungen der IHK : 1. Die vorhergehenden Angaben geben globale Tendenzen an. Individuelle, betriebsbezogene Geschäftsentwicklungen können daher von diesen allgemeinen Ergebnissen abweichen - 2. Die Grafiken wurden in Zusammenarbeit mit „GoEast.be“ und „Erwin Kirsch Design“ realisiert)
> Ostbelgiens Geschäftserwartungen 2008 abgestürzt> Ostbelgiens hervorragende wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2007 weiter stabilisier

