Fachkräftemangel wird immer gravierender

Die Industrie- und Handelskammer bat die ostbelgischen Betriebe um ihre Einschätzung zur aktuellen Debatte über den verstärkt aufkommenden Fachkräftemangel in Ostbelgien.  Die Resultate zeigen auf, dass die Thematik nuanciert betrachtet werden muss.  Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels verspüren nur rund 40 % der örtlichen Wirtschaft aktuell einen allgemeinen Arbeitskräftemangel. Diese Bewertung wird durch die Angaben des Arbeitsamtes der Deutschsprachigen Gemeinschaft bestätigt, da Ende Januar 2012 knapp 2.700 Vollarbeitslose in der DG gemeldet waren. Dagegen sind rund 69 Prozent der hiesigen Unternehmen der Meinung, dass bereits heute Fachkräftemangel vorliegt. 92 Prozent der Betriebe im Baugewerbe haben bereits Probleme mit dem Fachkräftemangel.  Im Handel liegt der Wert bei 76 Prozent, in der Industrie bei 71 Prozent. Perspektivisch erblicken die Dienstleister weniger als die anderen Branchen im Fachkräftemangel ein Risiko für die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung. Mit 58 Prozent ist nur etwa einer von zwei Dienstleistern mit der Problematik konfrontiert.
 
Fachkräfte nicht gleich Fachkräfte



Zwar tritt ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in vielen Berufssparten auf, jedoch wird insbesondere der Kampf um technisch ausgebildete Arbeitnehmer in Zukunft deutlich zunehmen. Bereits heute verspüren 84 Prozent der ostbelgischen Betriebe einen Fachkräftemangel in technischen Berufen.  Die beigefügte Grafik zeigt auf, dass insbesondere in der Industrie 87 Prozent und in der Baubranche mit 100 Prozent alle Unternehmen sich dem Problem zu stellen haben und offene Stellen für technisch versierte Fachkräfte kurzfristig nicht besetzt werden können.  Dagegen stehen Fachkräfte in Verwaltungs- und Verkaufsberufen zur Zeit noch zur Verfügung.  Nur jedes dritte Unternehmen verweist auf ein Problem bei der Stellenbesetzung.  Der Wert für die Industrie liegt mit 25 % am niedrigsten, im Dienstleistungssektor mit 41 Prozent am höchsten.  Der Handel sucht vorrangig vergebens gutes Verkaufspersonal.  Die Bauunternehmen verspüren keinen akuten Handlungsbedarf, da nur 31 Prozent eine Einschränkung erfahren.

Kampf um die besten Köpfe

Die Unternehmer betrachten zusehends mehr die Frage der Fachkräftesicherung im Betrieb als eine ihrer zentralen Aufgaben. Um den eigenen Fachkräftebedarf zu decken, engagieren sie sich vor allem durch eine Intensivierung ihres Ausbildungsengagements und verstärkte Weiterbildungsmaßnahmen.  Sie werden verstärkt an der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität arbeiten und sich des Themas Vereinbarkeit von Familie und Beruf annehmen müssen.  Ganz oben auf der Wunschliste der hiesigen Betriebe für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung steht die ständige Verbesserung der Qualifikation von Schulabgängern, um den steigenden Anforderungen im Arbeitsleben gerecht werden zu können.  Auch ist der Aufbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu beachten.

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